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Authentische Employer Branding Kommunikation & Storytelling in Steuerberatungskanzleien

  • Autorenbild: Stefanie Wagner
    Stefanie Wagner
  • 19. Feb.
  • 2 Min. Lesezeit

Der verbreitete Denkfehler


„Wir zahlen marktgerecht, bieten flexible Zeiten und haben nette Kollegen. Mehr braucht es nicht.“


Diese Annahme ist in vielen kleinen Kanzleien nachvollziehbar. Die genannten Punkte sind relevant. Sie erklären jedoch nicht, wie die tägliche Zusammenarbeit aussieht, wie Entscheidungen getroffen werden oder welche Haltung die Kanzlei prägt. Genau diese Lücken entscheiden darüber, ob sich geeignete Bewerber angesprochen fühlen oder frühzeitig Abstand nehmen.



Kein lästiges Marketing, sondern Risikosteuerung


Authentische Employer-Brand-Kommunikation ist kein Versuch, eine Kanzlei attraktiver darzustellen als sie ist. Sie dient der Reduktion von Fehlentscheidungen auf beiden Seiten.

Je kleiner die Kanzlei, desto größer die Wirkung jeder Personalentscheidung. Unklare oder geschönte Darstellungen erhöhen das Risiko von Fehlbesetzungen. Authentische Kommunikation wirkt dagegen wie eine Vorselektion. Sie senkt Erwartungen auf ein realistisches Maß und schafft Orientierung.



Wie Entscheidungen auf der Bewerberseite fallen


Bewerber vergleichen nicht nur Gehälter. Sie prüfen implizit:


  • Wie wird hier geführt

  • Wie wird kommuniziert

  • Wie realistisch ist das Bild vom Arbeitsalltag


Fehlen diese Informationen, werden sie ersetzt. Durch Annahmen, Vorurteile oder Erfahrungen aus anderen Kanzleien. Authentische Einblicke nehmen diese Deutung vorweg und geben ihr eine sachliche Grundlage.



Klarheit als zentraler Begriff


Klarheit bedeutet nicht, alles offenzulegen. Klarheit bedeutet, das Typische sichtbar zu machen.

Für kleine Kanzleien ist das ein Vorteil. Keine abstrahierten Werte, sondern konkrete Hinweise:


  • Wie läuft ein normaler Arbeitstag

  • Wie wird mit Fehlern umgegangen

  • Wie erreichbar ist die Kanzleileitung


Diese Klarheit hilft nicht, alle anzusprechen. Sie hilft, die passenden anzusprechen.



Rolle einzelner Instrumente


Mitarbeiter-Testimonials

Testimonials sind kein Werbeformat. Sie sind eine Perspektive. Entscheidend ist nicht, wie positiv sie klingen, sondern wie konkret sie sind. Aussagen über Arbeitsweise, Abstimmung oder Verantwortung sind hilfreicher als Lob.


Führungskräfte als sichtbare Ansprechpartner

Wenn Kanzleiinhaber oder Führungskräfte fachlich und sachlich Einblick geben, entsteht Orientierung. Nicht als Selbstdarstellung, sondern als nachvollziehbare Haltung.

Hier kann beispielsweise die Plattform LinkedIn eine Rolle spielen, weil sie fachliche Einordnung und persönliche Haltung verbindet, ohne ins Private zu gehen.


Inhalte aus dem Arbeitsalltag

Beiträge aus dem tatsächlichen Kanzleialltag zeigen Wirkung, besonders auf Social Media. Sie zeigen Struktur und verschaffen dem Bewerber ein realistisches Bild.



Typische Fehler kleiner Kanzleien


  • Austauschbare Aussagen ohne Bezug zur eigenen Realität

  • Testimonials, die wie Werbetexte klingen

  • Führungskräfte, die nur fachlich, aber nicht menschlich sichtbar sind

  • Inhalte, die perfekte Zustände suggerieren


Diese Fehler entstehen selten aus Absicht, sondern aus Unsicherheit. Die Folge ist dennoch eine verzerrte Erwartungshaltung.



Beispiel aus der Praxis


Eine kleine Kanzlei suchte Verstärkung in der Buchhaltungsabteilung. Die Website war korrekt, aber generisch. In Gesprächen stellte sich heraus, dass neue Mitarbeiter oft überrascht waren, wie eigenständig sie arbeiten sollten.

Die Kanzlei begann, kurze Einblicke in interne Abläufe zu geben. Eine Mitarbeiterin beschrieb, wie sie Verantwortung übernommen hat und wo sie sich Unterstützung holt bzw wie diese aussieht. Ein Partner erläuterte, wie Entscheidungen vorbereitet werden.

Die Zahl der Bewerbungen sank leicht. Die Passgenauigkeit stieg deutlich.



Pragmatischer Lösungsrahmen


  • Keine Werte formulieren, sondern Arbeitsweisen beschreiben

  • Aussagen immer an konkreten Situationen festmachen

  • Führung sichtbar machen, ohne zu inszenieren

  • Inhalte prüfen: Würde ein neuer Mitarbeiter sich darin wiederfinden?


Der Maßstab ist nicht Attraktivität, sondern Authentizität.



Auf den Punkt gebracht


Authentische Employer-Branding-Kommunikation ist kein Trend und kein Ersatz für gute Arbeitsbedingungen.

Sie ist ein Werkzeug zur Klarstellung.


Für kleine Steuerkanzleien bedeutet das weniger Streuverlust, geringeres Fehlbesetzungsrisiko und realistischere Erwartungen. Nicht durch Lautstärke, sondern durch sachliche Einblicke in die kanzleiinterne Realität.


 
 
 

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